Wie wird man eigentlich VIOLINIST?

Wie wird man Starviolinist? Wer könnte diese Frage besser beantworten als Stargeiger Yury Revich?

Er wurde am 28. August 1991 in Moskau geboren und stammt aus einer Musikerfamilie. Im Alter von sieben Jahren trat er in die Zentrale Musikschule des Moskauer Konservatoriums ein. Von 2009 bis 2016 studierte Revich an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Revich besitzt die österreichische Staatsbürgerschaft und lebt in Wien.

Wir haben ihn einen Tag lang begleitet und haben ihm ein paar Fragen gestellt:

Berufswunsch Geiger? Wie kam es zu dieser Idee? 

Die Idee kam erst zu mir als ich 11 Jahre alt war. Ich habe damals das Paganinikonzert Nr. 2 mit einem Orchester in Finnland gespielt. Das war mit vielen Vorbereitungen und viel Üben verbunden. Der große Beifall und die positive Energie des Publikums, der Veranstalter und meinen Eltern haben mich inspiriert diese Karriere zu verfolgen. Also habe ich mich mit 11 Jahren entschieden, das ist mein Lebensziel.

Welche Ausbildung hast du genossen?

Ich habe mit 5 Jahren angefangen. In der Familie meines Vaters sind wir alle Geiger seit dem 19. Jahrhundert. Das war eigentlich kein Druck, bzw. ein positiver Druck, dass ich Geiger werde. Mein Großvater war mein erster Lehrer und mein Vater ist immer noch mein Lehrer. Meine Halbschwester ist auch Geigerin. Die Musik ist immer wichtig in meiner Familie.

Spielst du auch andere Instrumente?

Früher hab ich gut Klavier gespielt; das spiele ich jetzt nicht mehr. Ich spiele auch Querflöte und ein bisschen Tuba.

Was ist das besondere an deiner Violine?

Ich spiele auf einer guten alten Freundin von mir, einer Stradivari der Goh Family Foundation aus dem Jahr 1709; sie ist 300 Jahre alt und es ist etwas ganz besonderes wenn man sie in den Händen hält. Das Problem ist, dass die Geige sehr auf Feuchtigkeit und Wetter reagiert. Bei Reisen muss man sie wie eine große Diva behandeln.

Hat Sie auch einen Namen?

Ja sie heißt Princess Aurora.

Hast du noch Lampenfieber vor Auftritten?

Ich hatte eigentlich nie Lampenfieber bis vor 4 – 5 Jahren. Mit dem Alter bekommt man dann auch mehr Responsibilität und ab und zu bin ich ein bisschen nervös aber ich finde das OK und gehe auch ganz offen damit um. Wenn ich nervös bin, komme ich ein bisschen früher in den Konzertsaal um mich ein bisschen einzuspielen und zu relaxen und am Ende läuft dann alles gut.

Wie bereitest du dich auf ein neues Stück vor?

Wenn ich ein neues Stück lernen muss, schaue ich es mir einmal auf meinem iPad ohne Geige an. Ich lese es wie ein Buch und sehe es wie ein Bild. Dann fange ich an es zu üben und nachdem ich es zu 60 – 70% gelernt habe kann ich ein paar Aufnahmen hören. Ich höre normalerweise nicht die Aufnahmen gleich von Anfang an denn dann bin ich von  dieser Aufnahme inspiriert und kopiere vielleicht automatisch etwas davon und das will ich nicht. Ich will meine eigene Interpretation aufbauen.

Wie viele Stunden übst du pro Tag?

Zwischen 0 – 8. 0 wenn ich den ganzen Tag reise.

Was wolltest du als Kind werden?

Auf jeden Fall etwas kreatives. Etwas mit Film, Schauspieler oder Scriptwriter.

Ist das immer noch ein Ziel?

Ja! Ich mache das derzeit als Hobby.

Du bist sehr viel auf Social Media und Instagram unterwegs. Findest du das heutzutage sehr wichtig für einen Musiker?

Ja ich mag Instagram, denn man findet immer schöne Bilder und man kann vieles lernen. Vor 200 Jahren hatten wir Mundpropaganda, dann Zeitungen, dann kam Radio und TV und heutzutage haben wir Social Media. Morgen kommt vielleicht noch etwas anderes; eine neue Revolution. Wir müssen das akzeptieren und es gibt keine andere Wahl! Fast die ganze Welt benutzt Facebook.

Was sind deine Ziele für die Zukunft? Du hast ja schon Film angesprochen. Was möchtest du noch erreichen?

Ich engagiere mich sehr für humanitäre Dinge seitdem ich 18 Jahre alt bin und möchte da noch ein bisschen mehr tun. Alles was ich als Public Persona tun kann ist wichtig. Wir haben einige Sachen mit Unicef und unterschiedliche Awareness Campaigns. Als Musiker bin ich stolz, dass ich und meine Kollegen mit der Musik und der Kunst Aufmerksamkeit für diese wichtigen Angelegenheiten aufbringen könne.

Was ist deiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg?

Man muss das Wort Erfolg zuerst definieren. Erfolg ist etwas sehr persönlichen und man kann es nicht durch instagram likes kalkulieren.

Stradivari

Beim musizieren

Yury Revich mit Geigenkoffer und E-Scooter
Yury Revich am Weg zu seinem nächsten Termin

 

Ihre Leonore

Redaktion: Nina Streit, Victoria Welley
Fotos: Nina Streit

 

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