Applaus für András Schiff

Portrait: András Schiff

Humorlose Menschen sollte man meiden, sagt András Schiff. Der ungarisch-österreichisch-britische Pianist gehört zu den geistreichsten Witze-Erzählern der Musikerzunft. Bei manchen Dingen hört sich für ihn aber der Spaß auf. Wenn jemand in das Adagio des ersten Brahms-Klavierkonzertes hustet, spielt er mit der Linken die Kantilene weiter und ballt die Rechte zur Faust – womit er alle Huster zum Verstummen bringt.

Sir András Schiff wird diese Woche 65, doch seine Bedeutung für die Welt der klassischen Musik wäre schon Grund genug, ihm ein Portrait zu widmen:

1. Seine Anfänge

András Schiff ist gebürtiger Ungar und wurde am 20.12. 1953 in Budapest geboren. Bereits mit fünf Jahren begann er Klavier zu spielen, der Berufswunsch Musiker zu werden allerdings erst mit zehn. Das große Ziel vor Augen konnte er im Jahr 1967 mit 14 jungen Jahren in die Franz-Liszt-Musikakademie eintreten. Erstes internationales Aufsehen erregte Schiff Mitte der 1970er Jahre mit seinen Bach-Einspielungen.

2. Sein Klang

Schiff studierte in London beim Originalklang-Pionier George Malcom sowie beim Komponisten und Pianisten György Kurtág – beides Pädagogen mit einem immensen Gespür für den Klang eines Instruments. Dieses Bewusstsein spiegelt sich nicht nur in seinen Interpretationen, sondern auch in der Instrumentenwahl. Seine Klaviere sucht er passend zu Stück, Interpretationsansatz und Aufführungsort aus. Meist ist es ein Bösendorfer, seltener ein Steinway, manchmal sind es auch historische Instrumente.

3. Seine Passion

J.S. Bach verkörpert für Schiff den Gipfel der europäischen Musikgeschichte. Seinen Tag beginnt er mit einem Ritual: Eine Stunde Bach. Das sei ein „Seelenbad“. Mit 18 Jahren hat Schiff aufgehört, Etüden und Fingerübungen zu spielen. Er greift lieber zu Bachs Präludien und Fugen. Werden manche Pianisten mit zunehmendem Alter sentimental, ist bei Schiff das Gegenteil der Fall: Geradlinige Leichtigkeit zeichnet seine 2001 und später entstandenen „Goldbergvariationen“ aus, vergleicht man sie mit der Aufnahme aus den 1980er Jahren. Bei Bach verzichtet er zudem in den letzten Jahren auf das klanghaltende Sostenuto-Pedal.

4. Sein Repertoire

Im Zentrum stehen bei Schiff Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert und Schumann. Dazu kommen noch Mendelssohn, Brahms, Smetana, Dvorák, Janácek, Debussy und vor allem Bartók. Er spielt auch Zeitgenössisches von Holliger, Kurtág und Widman sowie Kammermusik.

5. Seine Werte

Schiff äußert sich auch in gesellschaftspolitischen Fragen. Nach der Regierungsbeteiligung rechtspopulistischer Parteien in Österreich und Ungarn sagte er Konzertauftritte in diesen Ländern ab.

6. Seine Heimat

Eigentlich Ungar emigrierte er aus seinem Geburtsland in seinen 20ern 1979. Es zog ihn dann zunächst in die deutschsprachigen Länder, wodurch er im Jahr 1987 sogar die österreichische Staatsbürgerschaft annahm. Auch wegen seiner politischen Ansichten wanderte er weiter auf die Britischen Inseln. 2001 wurde er britischer Staatsbürger und nicht vor allzu langer erhielt er den Ritterschlag zum britischen Knight Bachelor.

7. Sein Lieblingswitz

Eine von Schiffs Lieblingswitzen: Im kommunistischen Polen sitzen drei Gefangene in einer Zelle. „Warum bist du hier?“, fragen sie den einen. „Ich war gegen Gomulka.“ – „Und du?“ – „Ich war für Gomulka.“ – „Und was ist mit dir?“, fragen sie den Dritten. „Ich bin Gomulka.“

Schiff am Klavier der Royal Albert Hall
András Schiff spiel Bachs Wohltemperiertes Klavier, Buch I, (Foto: Chris Christodoulou)

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