Mozart, ein Sohn der Aufklärung

Rolando Villazón betont immer wieder, dass er im Zuge seiner Intendanz Mozart in all seinen Facetten zeigen und vor allem feiern möchte – Mozart lebt! In diesem Sinne finden während der Mozartwoche auch Vorträge, Podiumsdiskussionen und Gespräche statt, um sich Mozart auch auf intellektueller Ebene anzunähern – und somit ein Stück mehr zu verstehen, was für ein Mensch hinter dem Namen Mozart steckt.

Mozart, ein Mann der Aufklärung?

Es ist weit bekannt, dass Mozart engen Kontakt zu den Freimaurerlogen hatte und mit deren aufklärerischen Idealen sympathisierte. Das drückt sich auch in seinen Bühnenwerken aus: allen voran in den Da Ponte-Opern, aber auch in der Zauberflöte und nicht minder in Thamos, König von Ägypten (Sonntag 18:00 Uhr LIVE-zeitversetzt auf fidelio!). Doch wie viel davon lässt sich Mozart, und wie viel seinen Librettisten zuordnen? Und ist es tatsächlich gerechtfertigt von Mozart als Mann der Aufklärung zu sprechen?

Eine philosophische Spurensuche

Dieser Frage widmete sich der junge, sympathische Philosoph Dr. Juri Viehoff in einem interessanten Vortrag in der Stiftung Mozarteum, in dem er versucht das vielschichtige Verhältnis Mozarts zur Aufklärung aufzuschlüsseln.
Es ist gar nicht so einfach, ein klares Bild von Mozart zu zeichnen. Denn das große Genie ist in der heutigen Wahrnehmung dermaßen verklärt, dass eine Annäherung an die historische Person Mozart oftmals kaum möglich scheint. Dennoch, Viehoff legt spannende biographische Details Mozarts dar und schafft es, diese gekonnt mit den großen Ideen der Aufklärung in Verbindung zu bringen.

Raus aus dem Elfenbeinturm

Es wäre falsch, zu behaupten, Mozart wäre an der ideengeschichtlichen Entwicklung der Aufklärung maßgeblich beteiligt gewesen. Und dennoch, so Viehoff, ist es nicht verkehrt, Mozart als Mann der Aufklärung zu bezeichnen. Und zwar sowohl, wenn man den Begriff der Aufklärung in einem epochenbeschreibenden Sinn verwendet, als auch im Sinne des emanzipatorischen Projektes der Aufklärung. Aufklärung findet nicht nur in den stillen Kammern der Gelehrten statt, sondern im Gegenteil, zeichnet sich gerade dadurch aus, die Ideen aus den Büchern in die Welt zu tragen. Und wer, wenn nicht der Lebemensch Mozart, war darum mehr bemüht?

Aufklärerische Musik

Ist so etwas wie aufklärerische Musik denn überhaupt möglich? Viele Skeptiker halten diese Idee für absurd, ist doch eines der obersten aufklärerischen Ziele Bildung und Erkenntnis. Worüber könnte uns Musik denn aufklären? Kann Musik uns tatsächlich etwas lehren?
Sehr wohl kann sie das: Die Idee ist, dass Musik uns in die Lage versetzt, unsere tiefsten Emotionen für andere wahrnehmbar zu machen. In dieser Hinsicht ist die Oper womöglich am Fähigsten – gerade jene Gattung, die oftmals ferner von wahrheitsgetreuer Darstellung nicht liegen könnte: wer würde im wirklichen Leben im Anblick eines Ungeheuers singen?
Juri Viehoff meint dazu: „Manche der tiefsten Wahrheiten […] können wir nicht aussprechen, sondern sie nur in den Werken Mozarts und anderer Künstler erhören.“

Auf fidelio sehen Sie den gesamten Vortrag: „Mozart, Ein Mann der Aufklärung„.

Hier können Sie einen Ausschnitt aus dem Vortrag sehen, indem es um aufklärerische Musik geht:

Juri Viehoff spricht über "Mozart, Ein Mann der Aufklärung"
Der Philisoph Dr. Juri Viehoff
Intendant der Mozartwoche 2019
Rolando Villazón stellt den Philosophen dem Publikum vor

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