Internationales Brucknerfest Linz 2021

Von 4. September bis 11. Oktober findet das Internationale Brucknerfest Linz 2021 unter dem Motto “Mutige Impulse. Bruckner und seine Schülerinnen” statt. Das Thema geht der Frage nach, welchen Einfluss der Lehrer Anton Bruckner auf seine komponierenden SchülerInnen hatte. Vier der acht Orchesterkonzerte bestreitet das Bruckner Orchester Linz, dreimal steht Chefdirigent Markus Poschner am Pult, das Abschlusskonzert leitet Hartmut Haenchen. Martha Argerich und Lilya Zilberstein, Paul Lewis, Jakub Hrůša am Pult der Bamberger Symphoniker, das Qatuor Diotima, das Quatuor Danel sind nur einige der illustren Gäste in diesem Jahr. Auch Thomas Hampson, Günther Groissböck und Wagner-Legende Waltraud Meier werden zu hören sein.

Lange musste der Komponist Anton Bruckner auf seine Anerkennung warten. Erst mit der Uraufführung seiner 7. Sinfonie 1884 in Leipzig gelang ihm als 60-jähriger der große Durchbruch. Anders stand es um den Organisten und Lehrer. In beiden Metiers erfuhr Bruckner schon relativ früh höchste Wertschätzung. Er unterrichtete am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, an der Wiener Universität sowie privat Orgel, Harmonielehre und Kontrapunkt.

Von seinem exzellenten Ruf zeugen hunderte von Schülerinnen, die er im Laufe seines Lebens unterwiesen hat. Als Lehrer ging es Bruckner allerdings nicht darum, seinen eigenen Stil weiterzugeben oder eine Schule zu gründen. Ihm lag vor allem daran, jungen Menschen das Handwerk des Komponierens beizubringen, um sie zu befähigen, später eigene Wege zu gehen. Dabei legte er auf die Beachtung der strengen Regeln höchsten Wert: „Hier in der Schule muss alles nach der Regel sein, da dürft ihr nicht eine verbotene Note schreiben“, wird Bruckner zitiert. „Wenn ihr aber einmal draußen seid und bringt mir eine so regelrechte Arbeit, dann werfe ich euch hinaus. Es muss neu sein. Wir sind frei, meine Herren. Es lebe die Freiheit!“ Haben Bruckners Schülerinnen die Freiheit auch genutzt und eigenständige Wege eingeschlagen? Das ist die zentrale Frage, der das Internationale Brucknerfest Linz 2021 nachgeht. Es umfasst mehr als 30 Veranstaltungen und steht unter dem Motto: „Mutige Impulse. Bruckner und seine Schülerinnen“. Neben Musik von Bruckner (u.a. 3. und 4. Sinfonie, f-moll-Messe, Te Deum, Klavierfassung der 3. Sinfonie, gespielt von Martha Argerich und Lilya Zilberstein) und anderen bedeutenden Komponisten (z.B. Mahlers 1. und 3. Sinfonie, Das klagende Lied) gelangen dabei auch Werke seiner Schülerinnen zur Aufführung. Manche davon haben mittlerweile einen Platz im Repertoire gefunden, bei den meisten jedoch handelt es sich um zu Unrecht vergessene Raritäten. Friedrich Klose, Karl Borromäus Waldeck, Josef Vockner, Cyrill Hynais, Franz Marschner und Max von Oberleithner sind einige der Schüler, deren Werke beim Brucknerfest erklingen.

Zwei seiner Schülerinnen widmet das diesjährige besondere Schwerpunkte: Hans Rott und Mathilde Kralik von Meyrswalden. Der 1858 nahe Wien geborene Hans Rott hatte das Zeug zu einem ganz Großen. Das beweist seine 1. Sinfonie, die als vielversprechender Versuch gelten darf, diese zentrale Gattung des 19. Jahrhunderts völlig neu zu denken. Gustav Mahler, Rotts Studienkollege, hat ihn und sich als „zwei Früchte von demselben Baum“ bezeichnet und Rott als den eigentlichen Begründer einer „neuen Symphonik“ anerkannt. Auch Rotts Lehrer Anton Bruckner hatte eine hohe Meinung von ihm und prophezeite, man werde von dem jungen Mann noch sehr viel hören. Doch der tragisch frühe Tod des Komponisten – er starb mit 25 Jahren in geistiger Umnachtung – gab ihn zunächst dem Vergessen preis. Das änderte sich erst 1989. Damals wurde in Cincinnati Rotts 1. Sinfonie uraufgeführt, was die Aufmerksamkeit der Musikwelt auf dieses tragisch verkannte Genie lenkte.

Im Rahmen des Brucknerfests erklingen neben der 1. Sinfonie (28. 9. dirigiert von Jakub Hrůša) auch andere Werke von Hans Rott, unter anderem die Sinfonie As-Due für Streichorchester (18. 9.), drei Lieder nach Gedichten von Goethe (22. 9., gesungen von Günther Groissböck), sein Streichquartett c-moll (25. 9., Quatuor Danel) sowie Ein Vorspiel zu „Julius Cäsar“ (30. 9. Marin Alsop und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien).

Eine Renaissance wie bei Hans Rott steht im Fall der gebürtigen Linzerin Mathilde Kralik von Meyrswalden noch aus. Vielleicht löst das diesjährige Brucknerfest eine solche aus, das sich intensiv mit ihrem Werk beschäftigt. Mathilde Kralik von Meyrswalden wurde 1857 in Linz in eine Glasfabrikanten-Familie hinein geboren, nahm in Wien bei Bruckner Privatunterricht in Kontrapunkt und absolvierte anschließend die Kompositionsklasse von Fritz Krenn am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, wo Gustav Mahler und Hans Rott zu ihren Kommilitonen zählten. Im Wiener Musikleben spielte sie als Komponistin um die Jahrhundertwende durchaus eine Rolle, erst nach ihrem Tod 1944 in Wien geriet sie in Vergessenheit. Beim Brucknerfest kann man ihrer Fest-Ouvertüre (12. 9.), einigen Lieder (14. 9., gesungen von Sophie Rennert) sowie ihrem reizvollen Klaviertrio F-Dur (9. 10., gespielt vom TONALi Trio) begegnen. Vor allem aber steht sie im Mittelpunkt der Klassischen Klangwolke (18. 9.), in der ihr Violinkonzert sowie ihre Sinfonie f-moll erklingen. Dieses Konzert ist zur Gänze in Frauenhand: Es spielt das FSOA – Female Symhonic Orchestra Austria, am Pult steht dessen Gründerin Silvia Spinato, Solistin ist Francesca Dego.

Peter Blaha/Brucknerfest

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