„Idomeneo“ – ein verkanntes Meisterwerk?

„Idomeneo“ erfreut sich in jüngerer Vergangenheit immer größerer Beliebtheit. Dennoch ist diese Oper Mozarts für so manchen Liebhaber noch ein Geheimtipp, den man vielleicht noch nicht entdeckt hat. fidelio zeigt für Sie am 22.02. um 19:00 Uhr den Livestream der Wiener Staatsoper von Mozarts „Idomeneo“  und will gute Gründe liefern, warum Sie sich das nicht entgehen lassen dürfen. Die Haupthürde, die es bei dieser Oper zu überwinden gilt, ist die starre Form der „Opera seria“, welche mit ihren antiken Königsdramen Mozart selbst später als unzeitgemäß erachtete. Der Gewinn, der jedoch winkt, ist die wunderbare Musik des Salzburger Wunderkindes, die nicht nur seinen späteren Werken um nichts nachsteht, sondern – wie viele Kenner meinen – vielleicht sogar das Revolutionärste und Zukunftsweisendste seines Schaffens zu Tage fördert. Aber fangen wir lieber ganz am Beginn an!

Ein Wunderkind wird erwachsen

„Idomeneo“ wird häufig als die erste ausgereifte Oper Mozarts angesehen, welche von einem originären Stil sowie einem in hohem Grade eigenen Zugang zeugt. Mit 24 Jahren erhielt Mozart den Auftrag, eine Karnevalsoper für den Bayerischen Thronfolger Carl Theodor zu verfassen. Der musikliebende Fürst verfügte mit dem Mannheimer Orchester über eines der besten Ensembles der damaligen Zeit und auch die Sänger waren bestens ausgebildete Virtuosen. Selbstverständlich erhielt Mozart diesen Auftrag nur, weil er sich schon überaus großer Popularität erfreute: So war er Mitglied der renommierten Akademie von Bologna und vom Papst zum Ritter vom goldenen Sporn geschlagen. Nach einer aufreibenden Probenzeit, in der Mozart sich vor allem mit dem weit über 60 Jahre alten Sänger der Titelpartie Anton Raaff heftig stritt und noch viele Veränderungen an der Komposition vornahm, kam „Idomeneo“ am 29. Jänner 1781 im Münchner Cuvilliés Theater zur Uraufführung.

Ankündigung der Uraufführung von „Idomeneo“

(Wenn Sie hier einen Aspekt von Mozarts Leben kennengelernt haben über den sie noch nichts wussten, vielleicht wollen sie dann ja noch mehr erfahren. Sehen Sie jetzt auf fidelio die zweiteilige Doku „Wolfgang Wer?“ über einen Komponisten, den wir nur allzu gut zu kennen glauben.)

Zur Handlung der Oper

Der Vorhang geht auf und wir sehen die betrübte, in den Wirren des trojanischen Krieges nach Kreta verschleppte Prinzessin Illia: Sie ist verliebt in ihren Kriegsfeind Idamante, den Sohn des Königs von Kreta, Idomeneo.  Das Schiff Idomeneos gerät in Seenot und im Angesicht des Todes gibt dieser dem Meeresgott Neptun ein fatales Versprechen: Das erste Lebewesen, welches er am Festland von Kreta erblickt, soll ihm geopfert werden. Kaum auf Kreta gelandet, begegnet Idomeneo seinem Sohn Idamante und wird sich sofort der entsetzlichen Tragik dieses Zusammentreffens bewusst. Um ihn nicht opfern zu müssen, schickt der König seinen Sohn ohne weitere Erklärung ins Exil. Vor dem Hintergrund des drohenden Abschieds gestehen sich Idamante und Illia ihre Liebe. Neptun fordert seinen Tribut: Ein Seeungeheuer beginnt die Bevölkerung Kretas zu tyrannisieren und verhindert die Abreise Idamantes. Idomeneo bleibt keine andere Wahl: Er ist gezwungen seinen eigenen Sohn zu töten. Im entscheidenden Moment der Opferzeremonie wirft sich Illia schützend vor Idamante. Im letzten Moment kommt es zum glücklichen Ausgang der Oper: Die Stimme des Orakels erklärt Neptuns Zorn für besänftigt, wenn Idamante und Illia gemeinsam die neuen Herrscher Kretas werden.

Der Tenor Anton Raaf als Idomeneo

Zur Musik in „Idomeneo“

Musikalisch steht Mozart in der Tradition der italienischen opera seria, dennoch verweist einiges auf die französische Opernform der tragèdie lyrique. Auch Glucks Opernreform macht sich hier stark bemerkbar: So wirkt Idomeneo über weite Strecken wie eine durchkomponierte Oper, bei der die accompagnato Rezitative mit den eigentlichen Arien so eng verflochten sind, dass man beide nur schwer voneinander unterscheiden kann. Diese verwobene Struktur weist von der Idee bis tief in die Romantik hinein, wo die beiden zentralen Formen der Oper (Rezitativ und Arie) zu einer Einheit verschmelzen. Auffällig ist auch die äußerst eigenständige und virtuose Behandlung des Orchesters, welche sich bereits in der Ouvertüre zeigt. Auch der klangliche Farbenreichtum erlangt ungeahnte Dimensionen.

Seite des Autographen von Mozarts „Idomeneo“

Zur Produktion in der Wiener Staatsoper

Der renommierte Regisseur Kasper Holten inszeniert dieses verkannte Meisterwerk Mozarts und legt einen besonderen Akzent auf die unterschiedlichen Charaktere sowie ihre inneren Konflikte: „Worum geht es in Idomeneo? Es geht um Menschen, die nach einem langen, furchtbaren, konsequenzenreichen Krieg – über den wir bis in die heutige Zeit noch sprechen – nach Hause kommen, aber die Last der Ereignisse noch mit sich tragen. Sie alle haben gewissermaßen Gepäck, das sie nicht ablegen können“ (Kasper Holten). Auch das Aufgebot der Sänger lässt kaum Wünsche offen: So verkörpert der bereits vielfach mit Mozarts Frühwerk vertraute Sänger Bernhard Richter die Titelrolle. Ebenfalls einer besonderen Erwähnung wert, ist die im Belcanto-Fach bereits profilierte Sängerin Valentina Nafornita, welche die herausfordernde Partie der Illia gestaltet.

Lernen Sie Mozart von einer ganz neuen Seite kennen und seien Sie am Freitag, den 22.02. um 19 Uhr auf fidelio live bei der Aufführung von „Idomeneo“ aus der Wiener Staatsoper dabei. Viel Vergnügen dabei wünscht …

Ihr Florestan.

Szenenfoto von „Idomeneo“ aus der Wiener Staatsoper

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