hector berlioz mit ehefrau, beethoven und goethes faust graphic deisgn

Hector Berlioz: Sein Werk (2/3)

Wenn man die Geschichte der europäischen Instrumentalmusik betrachtet, dann kann man Hector Berlioz und seine bahnbrechenden Neuerungen zweifelsohne als einen der wichtigsten Vertreter nennen. Nach den ekstatischen Erfolgen der Symphonien Beethovens war man sich sicher, dass die Gattung einen gewissen Höhepunkt erreicht hat. Fragen standen im Raum, ob man nach jenen Meisterwerken überhaupt noch Symphonien schreiben könnte. Doch Berlioz lieferte Antworten, indem er nur in Beethovenschem Vorbild die Orchestermusik in radikale, neue Wege weiter entwickelte. Das Monumentale bekam bei ihm eine ganz neue Bedeutung und stellte nun die Brücke zu Gustav Mahler dar. Die Exzessivität im Ausdruck, die ungewöhnliche Instrumentierung, die Einbeziehung des Raumes, die eigentümlichen Brücken im musikalischen Verlauf, die Verwendung von Zitaten und Collagen sind nur wenige Stichworte zu Berlioz’ Schaffen, doch machen ihn zu einem der größten Erfinder von Musik des 19. Jahrhunderts.

Es gab vier wichtige Einflüsse in den Jahren als er seine ersten großen Werke komponierte:

1. Literatur

Berlioz, selbst ein begnadeter, erfolgreicher Schreiber und Kritiker, liebte die Literatur. Zusätzlich wuchs er in einer Zeit auf, als ein regelrechtes Shakespeare-Fieber in den Pariser 1820ern und 1830ern herrschte. Einerseits verwendete er Shakespeare-Stoffe für Opern und andererseits ließ er sich von dem englischen Poeten in der Satztechnik beeinflussen.

2. Seine Ehefrau Harriet Smithson

Seine spätere Ehefrau Harriet Smithson hatte ab der ersten Begegnung bei Hamlet einen so starken Eindruck auf den Franzosen, dass sie seitdem als eine Art Muse für ihn fungierte und ihn zu Werken wie der Symphonie Fantastique inspirierte. So schrieb er nach ihrem Tod: „Harriet war die Harfe, die in alle meine Musik hineinklang, in meine Freude und in meine Trauer, und von deren Saiten ich – hélas! – so viele zerbrochen habe!“

3. Ludwig van Beethoven

Auch Beethoven übte einen großen Einfluss auf ihn ein. Hierbei studierte Berlioz in erster Linie Beethovens Symphonien und Streichquartette, übernahm ähnliche dynamische Effekte und führte dessen Aufbrechen diverser Aufführungspraxen und Gattungskonventionen fort.

4. Goethes Faust

1929 schrieb er Huit Scènes de Faust, seinem ursprünglich ersten Opus 1, das er später zurückzog. Er war mit der Komposition nicht zufrieden, obwohl es schon die außergewöhnliche Kreativität seiner musikalischen Aufführungspraxis zeigte. Es gab Episoden von sechs Solostimmen mit Orchesterbegleitung bis zu Teilen mit einer Solostimme und Gitarrenbegleitung – dies zeigt, welch große Abwechslung Berlioz in seine Stücke brachte. Allerdings ließ er das Werk dann in das Oratorium La Damnation de Faust einfließen und verwendete einige Teile aus dem Frühwerk. Nach der Uraufführung in Paris 1846, die in einem dramatischen finanziellen Misserfolg endete, bearbeitete er das Werk 1855/56 neu und konnte dann vor allem internationale Erfolge verbuchen.

Verwendung des Raumes

Er versuchte den Raum und Aufführungsort miteinzubeziehen, indem er Orchesterteile und Chöre an verschieden Plätzen im Raum verteilte, um interessante akustische Effekte zu erzeugen, wie zum Beispiel in seinem 1848/49 uraufgeführten Te Deum. Berlioz forderte sich stets selbst heraus und überraschte sein Publikum immer wieder neu.

Das Monumentale

Die Monumentalwerke von Berlioz sind die großen Eckpfeiler seines Schaffens. Neben der Symphonie Fantastique 1830 gab es hierzu eine Fortsetzung Lélio ou le retour à la vie 1931 und zwei große Auftragswerke des französischen Staates. Ein Requiem, das eine Vielfalt an verschiedene Stilen und Charakteren besaß und die Grande Symphonie funèbre et triomphale 1840, ein Werk für symphonisches Blasorchester. Zusammenfassend besitzen seine Monumentalwerke zwei wichtige Elemente. (1) Das Erhabene im Religiösen und der Spielart des Antikisierenden und (2) das Schreckliche im Apokalyptischen und Kolossalen im Hinblick auf Klang und Größe.

Ausdruck ist alles

Wie neuartig und bahnbrechend Berlioz’ Musik war, zeigte sein Projekt einer eigenen Instrumentationslehre Grand Traité d’instrumentation et d’orchestration moderne 1844. Denn seiner Meinung nach gab es eine einzige wichtige Regel, nämlich die Instrumentation diene ausschließlich dem dramatisch bedingten Ausdruck. Demnach führte Berlioz auch neue Schlaginstrumente in den Orchesterapparat ein, um „Geräusche“ erzeugen zu können, deren Verwendung bis dato undenkbar war.

Ein unbekannter Revolutionär

Hector Berlioz’ Wirken könnte man im Hinblick auf Orchestermusik getrost als erfolgreichen Übergang von Beethoven zu Gustav Mahler und Richard Strauss bezeichnen. Wie auch zu Lebzeiten des Komponisten gehörte Berlioz nicht zu den großen, hoch geschätzten Komponisten des 19. Jahrhunderts, was man auch darin sah, dass er – mit Ausnahme der französischen Orchester – nicht Teil des klassischen Orchesterkanons war. Damals wie auch heute wurde er unterschätzt, sowie von der Avantgarde weitgehend noch nicht ausreichend beachtet. Berlioz’ Einfluss in der Orchestermusik mit seiner ihm eigenen Aufführungspraxis, Klang und Progressivität reicht von der Spätromantik bis in die heutige Filmmusik und zeigt damit wie wichtig seine Bedeutung für die Musik war.

 

Ihr Florestan

PS: Wollt ihr mehr über die Biographie von Hector Berlioz erfahren? Dann entdeckt den Blog-Beitrag HIER.

Unterschrift von Hector Berlioz
Hector Berlioz‘ Unterschrift

Könnte Ihnen auch gefallen

200 Jahre Clara Schumann

wolfgang wagner

100 Jahre Wolfgang Wagner

Dirigent mit Brille am Dirigentenpult

7 kuriose Fakten über Karl Böhm

Franz Welser-Möst: Ein Portrait

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.