Hector Berlioz

Hector Berlioz: Sein Leben (1/3)

Am 8. März gedenken wir des 150. Todestages des französischen Musikrevolutionärs Hector Berlioz. Das und die Tatsache, dass seine Werke innerhalb des gängigen Opern- und Konzertrepertoires immer noch eher die Ausnahme als die Regel darstellen, ist Grund genug, Berlioz eine 3-teilige Blog-Reihe zu widmen. Im 1. Teil geht es um die Höhen und Tiefen seines Lebens. Der 2. Teil hat seinen bahnbrechenden Kompositionsstil und neuartige Instrumentierung sowie seine Einordung in der Musikgeschichte zum Thema. Bis wir zuletzt im 3. Teil seinem größten musikalischen Erfolg, der Symphonie Fantastique, Tribut zollen.

Ein Bub vom Lande

Hector Berlioz wurde als Sohn des angesehen Arztes Louis und Mutter Marie-Antoinette-Joséphine am 11. Dezember 1803 geboren. Geburtsort war eine kleine französische Gemeinde namens La Côte-Saint-André, ungefähr 50 Kilometer von Lyon entfernt. Trotz der ländlichen Umgebung genoss Berlioz eine ausgezeichnete Ausbildung in der Tradition der klassischen lateinischen Bildung.

Medizin oder Musik?

Der Vater, selbst Arzt, plante für Sohn Hector ein Medizinstudium. Doch schon in jungen Jahren wollte er lieber Musikunterricht nehmen und da die Familie Berlioz eher eine unmusikalische war, wurden hier vom Vater nur widerwillig Lehrer beauftragt, zunächst Flöte und später auch Gesang zu lehren. Gitarre brachte Berlioz sich selbst bei – eines seiner ersten autodidaktischen Projekte.
In Paris hat er das Medizinstudium bald abgebrochen, denn er wurde vor allem durch die Opern von Christoph Willibald Gluck und die Werke Antonio Salieris in den Bann der Musik gezogen. Der Autodidakt Berlioz begann neben den zahlreichen Vorstellungsbesuchen Opernpartituren zu studieren, ja gar auswendig zu lernen.

Der Rom-Preis

Ein wichtiger Punkt in Berlioz’ Ausbildungszeit war der renommierte Rom-Preis, der unter den Schülern des Conservatoire de Paris, wo seit 1826 auch Berlioz lernte, vergeben wurde und neben dem Ansehen ein großzügiges Stipendium mit Rom-Aufenthalt  mit sich brachte. Nach mehrmaligen Versuchen gewann er 1830 mit der Kantate Herminie. Der Durchbruch gelang etwas später desselben Jahres mit seinem bedeutendsten und berühmtesten Werk, nämlich der Symphonie Fantastique.

Erfolgreiche Nebenbeschäftigungen

In den 1830er Jahren entwickelte Berlioz sich nicht nur musikalisch, sondern auch literarisch. Die Liebe zur Literatur führte zu einigen Eigenschöpfungen und der Arbeit als Journalist, genauer gesagt als Musikkritiker. Er wurde sogar einer der angesehensten Kritiker von Paris. Die Berufswahl Musikkritiker war nicht immer freiwillig, denn auch er hatte mehrmals mit finanziellen Problemen zu kämpfen und war stets auf der Suche nach einem geregelten Einkommen. Dazu benutzte er seine Kritiken, um das Pariser Publikum auf seine „musikalische Seite“ zu ziehen. Ab 1835 wollte Berlioz auch seine Werke selbst dirigieren und somit begann seine überaus erfolgreiche Laufbahn als Dirigent, was er bis zu seinem Tod mit Leidenschaft ausübte.

Berlioz und die Oper – eine Tragédie lyrique

Ein etwas düstereres Kapitel war Berlioz und die Opéra. Der Opernliebhaber versuchte Zeit seines Lebens in dieser Gattung erfolgreich zu sein, nicht nur wegen des Renommees, sondern auch wegen finanzieller Unabhängigkeit und um das Interesse der Verleger zu wecken. Doch in diesem Fall verpasste Berlioz seine erste und damit letzte Chance für die Pariser Oper 1838 mit Benvenuto Cellini. Berlioz’ Abneigung zur derzeit vorherrschenden Form, der Opéra comique rund um seinen Rivalen Gioachino Rossini und die neuartigen Elemente, die nicht in die Hörerwartung der Pariser passten, führten zu einem unverständlichen, ersten Misserfolg in dieser Gattung. Erst zwanzig Jahre später, am Ende seiner Schaffensperiode, konnte er mit der Vergil-Oper Les Troyens mäßige Erfolge in Paris verzeichnen.

Im Ausland vergöttert

Berlioz, sobald er seine vielen Konzertreisen begann, genoss große Anerkennung in ganz Europa und galt als Größe der französischen Musiklandschaft. Nicht nur als Komponist monumentaler Werke, sondern auch als Musikjournalist und Musiktheoretiker, spätestens als er sein Lehrbuch moderner Instrumentation Grand Traité d’instrumentation et d’orchestration moderne 1843 veröffentlichte. Doch Berlioz liebte seine Heimat, umso schwerer verkraftete er die Missgunst seiner Landsleute, die ihn zu Resignation, Depression und Schaffenskrisen führte.

Une fin tragique

Berlioz’ Familiengeschichte konnte tragischer nicht verlaufen. Sein Vater, den er vergötterte, starb 1848, als Berlioz 44 Jahre alt war sowie seine Frau Harriet Smithson 6 Jahre später.  Auch seine zweite Frau Marie Recio starb vor ihm 1862 und sogar sein Sohn 1867, im Alter von nur 33 Jahren. Der höchst vereinsamte Berlioz trat eine letzte „Erholungsreise“ nach Nizza an, wo er allerdings zwei Schlaganfälle erlitt. Schließlich starb Hector Berlioz am 8. März 1869 in Paris.

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