Partitur von beethovens 9. Symphonie mit seiner handschrift

Die verdammte 9.

Haben Sie schon mal vom Fluch der 9. Symphonie gehört?

Viele große Komponisten starben nach der Neunten. Ist das alles nur Zufall? Ist die 9. tatsächlich verflucht? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Ursprung

Wer heutzutage von „der Neunten“ spricht, bezieht sich wohl immer noch auf den, gemessen an seinem symphonischen Werk, „größten“ Komponisten, nämlich Ludwig van Beethoven. Beethoven war einer der wenigen Komponisten, dem bereits zu Lebzeiten uneingeschränkter Ruhm zu Teil wurde und erhob sich auch durch seine 9. Symphonie mit der berühmten „Ode an die Freude“ zum Ideal des schöpferischen Genies, an dem sich bis ins 20. Jahrhundert alle anderen Komponisten abarbeiten mussten. Insbesondere seine unmittelbaren musikschaffenden Zeitgenossen und Nachfolger schafften es (zumindest zu Lebzeiten) kaum aus seinem langen Schatten herauszutreten. „Die Neunte“ galt dabei stets als höchste Messlatte, auch deshalb weil Beethoven mit ihr sozusagen sein „Leben aushauchte“. Hier liegt auch schon der „Fluch der 9. Symphonie“ begründet.

Die Macht des Schicksals

Gustav Mahler ist der Komponist, der am allermeisten unter dem Fluch der 9. Symphonie litt: Nach Schubert, der nach Vollendung seiner 9. Symphonie starb, und Anton Bruckner, der im Oktober 1896, während er am letzten Satz seiner „Neunten“ arbeitete, aus dem Leben schied, sah Mahler sich in seinem Aberglauben bestätigt. Aus diesem Grund nannte er seine 9. Symphonie, um sein Schicksal hinters Licht zu führen, „Das Lied von der Erde“. Sich auf diese Weise in Sicherheit wähnend, wagte er die darauffolgende Symphonie, die Nummerierung fortsetzend, als 9. zu bezeichnen. Er begann noch eine 10. Symphonie zu komponieren, mit deren Vollendung er den Fluch endgültig überwunden gehabt hätte. Dies blieb ihm jedoch verwehrt: Er starb am 18. Mai,  1911 an einer bakteriellen Herzkrankheit. Daraufhin schrieb Arnold Schönberg: „Es scheint, die Neunte ist eine Grenze… Wer darüber hinaus will muss fort…“ und zollte damit Mahlers Aberglauben einen letzten Tribut.

Widersprüche

Die romantisch-tragische Vorstellung vom „Fluch der 9. Symphonie“ stößt bei genauerer Betrachtung auf viele Widersprüche. So wurde die heute nur in einigen Fällen als 9. bezeichnete „Große Symphonie in C-Dur“ von Franz Schubert zu Mahlers Zeiten als 7. Symphonie geführt. Überhaupt ist bei Schubert die Nummerierung als 9. nur möglich, wenn man die unvollendete 8. und die nur skizzierte 7. in die Zählung miteinbezieht. Auch bei Bruckner, der ja seine Neunte eben nicht vollendete, kommt man somit nur auf insgesamt acht vollendete Symphonien und bezieht man die sogenannte 0. und seine Studiensymphonie mit ein, so kommt man auf insgesamt 10. Ganz allgemein betrachtet ist die Zahl 9 keine außerordentlich häufige in Bezug auf Symphonien: Man denke zum Beispiel an Schumann (4 Symphonien), Mendelssohn (5), Schostakowitsch (15) oder Henze (10).

Was aber wäre die Welt der klassischen Musik ohne ihre Mythen und Legenden?

Ihr Florestan

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