Alfred Brendel drawing on photo

90 Jahre Alfred Brendel

Der große Pianist Alfred Brendel gilt als einer der bedeutendsten Interpreten klassisch-romantischer Musik des 20. Jahrhunderts und wird heute 90 Jahre alt.

In 1931 in einem nordmährischen Dorf geboren, hier lernt er von der „Milli-Tant“, einer älteren Kinderfrau, mühelos unzählige Volkslieder.

Als er drei Jahre alt ist, versuchen seine Eltern auf der kroatischen Insel Krk ein Hotel zu führen, Alfred darf für die Hotelgäste den Plattenspieler bedienen und singt bei der Gelegenheit zu den Operettenaufnahmen Jan Kiepuras.

Nächste Station: Zagreb, der Vater ist Kinodirektor und der sechsjährige Alfred bekommt die ersten Klavierstunden. Mit sieben komponiert er einen Walzer, der klingt wie der Radetzkymarsch im Dreivierteltakt und schon bald feiert er sein Bühnendebut in einer Kinderaufführung des Zagreber Opernhauses: Er spielt einen General mit Fez und Säbel und singt zwei Couplets. Wunderkind ist er aber keines, wie er immer wieder betont.

Im Zweiten Weltkrieg wird der Vater eingezogen, Mutter und Sohn übersiedeln nach Graz. Ab diesem Zeitpunkt lassen Alfreds schulischen Leistungen nach, er interessiert sich nur mehr für die Kunst. Dass er mit 16 die Schule abbricht, um sich ganz der Musik zu widmen (und das auch noch als Autodidakt!) verzeiht ihm die Mutter erst viele Jahre später, als ihm die Universität Oxford die erste Ehrendoktorwürde verleiht.

Hier noch ein paar fun facts über den Ausnahmemusiker:

  • Weil ihm die Atmosphäre im Wiener Musikverein zu feierlich ist, führt Brendel in den 1950ern einmal eine Baby-Schildkröte an einem seidenen Faden durchs Publikum
  • Alfred Brendel liebt alles Absurde, Groteske und Kitschige, sei es nun Dada, barocke Architektur oder die Cartoons von Gary Larson. Nach seiner Lieblingsbeschäftigung gefragt, antwortet er „lachen“
  • Das schlechteste Instrument, auf dem er je gespielt hat, stand in Ballarat, einem der kältesten Orte Australiens. Das Publikum ist in Decken gewickelt und Brendel verkündet schließlich, er hätte gern eine Axt, um den Flügel zu zertrümmern
  • Er bezeichnet sich selber als relativ harmonischen Skeptiker; denn der Zweifel sei für ihn nicht ein Werkzeug der Selbstzerfleischung, sondern ein Zeichen geistiger Gesundheit
  • Mit anderen Musikern geht Brendel oft hart ins Gericht. So fragt er sich etwa bei Glenn Gould, warum ein Mensch, der so begabt ist, die Komponisten so fürchterlich malträtiert
  • Wenn ihn etwas aggressiv macht, ist das die Tatsache, dass Schubert, Büchner oder Keats so früh sterben mussten
  • Der Interpret ist laut Brendel Rhetoriker: Er soll lehren, rühren und unterhalten. Und immer wieder von neuem etwas finden oder fühlen, den Notentext „aufwecken und wachküssen“. Das sei die erotische Komponente des Ganzen

© Ulla Pilz, ORF – Radio Österreich 1

Auf fidelio sehen Sie ihn unter anderem in 3 Gesprächskonzerten von den Salzburger Festspielen “Brendel über Musik” aus dem Jahr 2010 und 2 Konzertfilme “Liszt, Années de Pèlerinage” in Italien und der Schweiz.

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