7 kuriose Fakten über Ruggero Leoncavallo

Am 9. August vor genau 100 Jahren starb Ruggero Leoncavallo. Aus diesem Grund möchten wir ihn auf unserem Blog und auf fidelio noch einmal hochleben lassen. An einem Donnerstag, dem 23. April 1857 erblickte Ruggero Leoncavallo in Neapel das Licht der Welt. Der bekannte Vertreter des spätromantischen Verismo kann in einem Atemzug mit den Zeitgenossen Pietro Mascagni, Giacomo Puccini oder Francesco Cilea genannt werden. Nachdem wir in unserer Klassithek  gleich vier Programme anbieten, in denen Sie der Musik Leoncavallos lauschen können, haben wir uns auf die Suche nach interessanten Fakten über den Komponisten gemacht, die ein kleines Portrait dieses Künstlers zeichnen.

1. „Doppelbegabungen“

Es gibt Komponisten und Musiker, denen nicht nur die Musik allein in den Adern liegt, sondern die gleich durch mehrere künstlerische Begabungen gesegnet sind. Darunter fällt auch der italienische Opernkomponist Ruggero Leoncavallo. Leoncavallo, der ab 1877 sogar Literaturgeschichte in Bologna studierte, war maßgeblich am Textbuch von Puccinis berühmter Oper „Manon Lescaut“ beteiligt, verfasste selbständig die Opernlibretti für zahlreiche andere Komponisten und schrieb auch die Texte für seine eigenen Musiktheater selbst. Damit gelang ihm mit seinen Opern genau jenes integrale Gesamtkunstwerk, worin Text und Musik eine untrennbare Einheit waren, was auch von Richard Wagner in der „Giovane Scuola Italiana“ postuliert wurde.

2. Jungbrunnen

Nach der Matura und der Erlangung des Diploms am neapolitanischen Konservatorium rekonstruierte Leoncavallo seine Biographie und verjüngte sich um ein Jahr.

3. Dem Wehrdienst entkommen

Während seines Literaturstudiums an der Universität Bologna musste Leoncavallo zu dessen Trotz nach Potenza zurückkehren, um dort den Wehrdienst anzutreten. Auch hier gelang es dem jungen Komponisten erneut zu tricksen und so konnte er sich mit seinem älteren Bruder Leone auswechseln, um der ungeliebten Tätigkeit beim Militär zu entkommen. So übersiedelte Leoncavallo zum jüngeren Bruder seines Vaters, Giuseppe, der in Ägypten lebte und blieb dort vier Jahre. In der italienischen Gemeinschaft in Ägypten arbeitete er als Musiklehrer und Pianist, bis er 1882 nach Paris zog.

4. Störung der ewigen Ruhe

Leoncavallos letzte Jahre waren von schweren Gesundheitsproblemen beeinträchtigt. Der Komponist litt unter Diabetes und verbrachte die Zeit des Ersten Weltkrieges in der Toscana, wo er 1916 die Patriotenoper „Mameli“ und diverse Operetten komponierte. Für die Behandlung seiner Krankheit zog Leoncavallo nach Montecatini Terme, wo er am 9. August 1919, im Alter von 62 Jahren starb. Begraben wurde der Komponist vorerst in Florenz – die ewige Ruhe konnte er hier aber noch nicht finden. Denn Jahre später wurden seine Überreste ausgegraben und in die Kirche „Madonna di Ponte“ in Brissago in der Schweiz umgesiedelt.

5. Berühmt durch nur eine einzige Oper

Wie bei so manchen Popstars gibt es auch in der klassischen Musik das Phänomen der sogenannten One-Hit-Wonder, Personen, die für nur ein einziges Werk berühmt geworden sind. Ruggero Leoncavallo ist einer von ihnen. Mit seiner Oper Pagliacci, die 1892 in Mailand uraufgeführt wurde und die er in nur fünf Monaten schrieb, ist dem Komponisten ein enormer Erfolg gelungen, der dafür sorgte, dass dieses Werk bis heute zum Standardrepertoire der internationalen Opernhäuser gehört. Alle weiteren Kompositionen floppten.

Diese „Sonderstellung“ als „One-Hit-Wonder-Komponist“ verbindet Leoncavallo übrigens mit großen Namen wie etwa Engelbert Humperdinck (Hänsel und Gretel), Pietro Mascagni (Cavalleria rusticana) und Umberto Giordano (Andrea Chénier).

6. Eine wahre Geschichte: Der Bajazzo/Pagliacci

Eine Gruppe aus Artisten und Schaustellern kommt in ein süditalienisches Dorf um ein Lustspiel aufzuführen. Der Direktor der Truppe, Canio, wird von seiner jüngeren Gattin Nedda betrogen. Die Stimmung hinter der Bühne ist daher sehr gereizt, denn der eifersüchtige Canio wacht über seine Nedda wie ein alter Herrscher. Interessant wird es nun, wenn die Themen, um die es sich hinter der Bühne dreht, plötzlich auf die Bühne rücken: Aus harmlosem Spiel wird bitterer Ernst.

Leoncavallos Oper fußt auf einer wahren Begebenheit, die der Komponist und Librettist selbst erlebt hatte. Als kleines Kind geriet er in seiner Heimat Kalabrien unfreiwillig in eine bestialische Szene, bei der bloße Eifersucht zu blutrünstigem Mord führte und sich sein Vater plötzlich auf der Anklagebank vor Gericht befand. Und genau dieses brutale Ereignis hatte Leoncavallo ungefähr 25 Jahre später zum Inhalt seiner Erfolgsoper Pagliacci inspiriert.

7. Enrico Caruso und sein Siegeszug mit Pagliacci

Der große Tenor Enrico Caruso „landete den ersten Millionenbestseller in der Geschichte der Schallplatte“ mit seiner Interpretation der Arie „Vesti la giubba“ aus Leoncavallos Oper Pagliacci. Kurz nach Carusos Debüt in den USA, wurde Caruso für die Aufnahme von zehn Opernarien engagiert, bei der es zu einer Abfindungszahlung von damals unglaublichen 100 Pfund kam. Durch den enormen Erfolg wurde diese Abmachung im Nachhinein in anteilige Tantiemen umgewandelt. Caruso brachte sämtliche Aufnahmen dieser Platte an nur einem einzigen Nachmittag auf Band. Für eine Schallplatte zahlte man damals zwei Dollar, was heutzutage einem Wert von ca. 51,46 US-Dollar entspricht.

 

Wenn Sie nun auf Leoncavallos Oper Pagliacci bzw. Der Bajazzo neugierig geworden sind, zögern Sie nicht und werfen Sie einen Blick auf www.myfidelio.at. Hier finden Sie eine Gesamtaufnahme der Oper Pagliacci von den Osterfestspielen Salzburg 2015 mit Jonas Kaufmann in der Titelrolle des Canio oder den Opernfilm aus dem Jahr 1982 mit dem fantastischen Plácido Domingo.

Einzelne Arien des Komponisten wurden auch bei der „Notte italiana“ im Rahmen des Festivals „Klassik am Odeonsplatz“ 2012 von Joseph Calleja und Kristine Opolais interpretiert. Viel Vergnügen!

Ihr Florestan

Quellenverzeichnis:

Schmitz, Rainer und Ure, Benno: Wie Mozart in die Kugel kam. Kurioses und Überraschendes aus der Welt der klassischen Musik, 2018, S. 220

Wagner HJ. (1999) Ruggero Leoncavallo. In: Fremde Welten. J.B. Metzler, Stuttgart, S. 169-230

https://biografieonline.it/biografia-ruggero-leoncavallo

 

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