5 Fragen zur digitalen Mozartwoche 2021

Der Intendanten der Mozartwoche Rolando Villazón über die Bedeutung der Mozartwoche für Salzburg, das Sicherheitskonzept und die Solidarität der Künstler.

Rolando Villazón, Sie halten unerschütterlich an der Mozartwoche im Jänner fest. Wie haben Sie das Festival unter den gegeben Umständen neu aufgestellt?

Für das ganze Team und mich stand immer außer Frage, wir werden diese besondere Mozartwoche in vollem Umfang auf die Bühne bringen! Mozart feiert am 27. Jänner 2021 seinen 265. Geburtstag, das muss mit einem kompletten Festival gefeiert werden, auch wenn wir das bestehende Programm etwas adaptieren mussten. Das ging dann auch nur gemeinsam mit den Künstlern, ihrer Solidarität und Kooperation. Die Herausforderung war: Wie schaffe ich es, so viele Künstler, Orchester, Solisten, wie es geht, zu behalten? Ich sprach mit vielen Künstlern über meine Pläne für eine adaptierte Mozartwoche. Dabei entstanden berührende Momente: Maestro Daniel Barenboim, der u. a. zwei Mal die Wiener Philharmoniker dirigiert, verzichtete auf seine Gage, um sie jüngeren Künstlern zur Verfügung zu stellen. Andere wiederum waren sofort bereit ihr Programm zweimal zu spielen. Stadt und Land Salzburg haben uns zusätzliche Fördergelder zugesichert, ich bin sehr dankbar über diese Unterstützung!

Wie sieht es mit der Sicherheit für das Publikum aus?

Die Stiftung Mozarteum verfügt über ein behördlich genehmigtes Präventionskonzept, das bei diversen Veranstaltungen seine Wirksamkeit bereits erfolgreich beweisen konnte. Wir belegen die Konzertsäle mit der Hälfte der Besucher im Schachbrettmuster. Die Konzerte werden ohne Pause stattfinden. Wir beobachten die Situation genau und werden sensibel nachjustieren, wenn es nötig ist. Aber wir tun alles, um den Besuchern möglichst viel Mozart zu ermöglichen.

Wie wichtig ist die Mozartwoche gerade in dieser turbulenten Zeit?

Die Mozartwoche ist seit 1956 fest in Salzburg verankert. Es ist das erste Festival im Jahresreigen und das weltweit bedeutendste Mozart-Festival überhaupt. Die Mozartwoche ist für Salzburg, für die Künstler, für uns alle wichtig, es ist ein Signal, dass sie stattfinden kann. Zum einen ist sie natürlich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Jänner, viele Hotels, Restaurants und Geschäfte fragen mich hier in Salzburg nervös: Kommt die Mozartwoche?

Zum anderen sind Kunst, Kultur und Musik Lebenselixiere – gerade in diesen Zeiten. Von Mozart kann man hier viel lernen: Er hatte oft mit Problemen zu kämpfen, es gab oft Leid, es gab Türen die geschlossen waren. Und er hat einfach immer weiter gemacht. Weiter komponiert, weiter einen Weg gefunden, Musiker, Komponist und Darsteller zu sein. Das ist eine besonders tolle Facette von Mozart. Er hat ja auch diese spielerische Seite, aber die Traurigkeit versteckt er nie. Musik gibt uns einen Platz, um unsere Gefühle herauszulassen und gemeinsam zu fühlen. Und was Mozart macht, ist jetzt unglaublich wichtig: Er bringt uns auch da, wo es schwierig ist, traurig, nostalgisch, immer zurück ins Licht. Von Mozart kommt die Erfahrung: Das Leben ist oft holprig und schwierig. Aber er zeigt: Hier geht es weiter, das Licht ist nicht irgendwo da draußen, sondern in dir und du musst es nur nehmen.

Die neue Ausgabe des Festivals hebt Mozart als „Musico drammatico“ heraus. Was ist damit gemeint?

Mozart war in all seinen Werken ein Meister der Dramatik und der menschlichen Geschichten – in seinen Opern, Symphonien und Konzerten gleichermaßen. Es fühlt sich für mich so an, als ob Mozart der Dramaturg dem Komponisten Mozart immer über die Schulter geschaut hat. Die Mozartwoche 2021 widmet sich schwerpunktmäßig seinen Werken in Moll, weil diese eine ganz unmittelbare dramatische Wirkung haben. Gerade einmal 35 der 626 im Köchelverzeichnis aufgeführten Kompositionen sind in Moll gehalten, der melancholischen, nostalgischen und pathetischen Tonalität. Auch das ist eine Facette des „Musico drammatico“.

Was sind Ihre Programm-Highlights der Saison 2021? Worauf sind Sie besonders stolz in Salzburg präsentieren zu können?

Jeder Programmpunkt ist für mich etwas Besonderes. „Mozart Moves! Ewig dein dich Liebender…“ – ein choreographisches Projekt mit Magdalena Kožená ist eine Kooperation mit dem Salzburger Landestheater und stellt Mozart und die Liebe in den Mittelpunkt, kann es etwas Schönes geben?

Die Mozartwoche kann auch gleich mit zwei Konzerten aufwarten, die selbst eingefleischte Mozart-Kenner in Entzücken versetzen werden. Das ist zu einem das historische Konzert 1805, das Debütkonzert von Mozarts damals erst 13-jährigen Sohn Franz Xaver Wolfgang. Zum anderen ist das die Uraufführung eines bislang unbekannten Mozartstücks. Es freut mich unendlich, dass die Mozartwoche diese Sensation präsentieren darf. Das kurze Klavierstück KV 626b/16 hat Mozart höchstwahrscheinlich mit 17 Jahren komponiert.

Die Mozartwoche bietet aber auch viel Mozart für die ganze Familie, ich denke da an „Der kleine Mozart“ im OVAL, oder „Magic Mozart“ in der SZENE Salzburg, das ist eine bezaubernde Mischung aus Pantomime, Akrobatik, Theater und Musik, oder „Pùnkitititi“ im Marionettentheater, hier wird man lachen und weinen. Versprochen!

Und auch völlig klar: Die wundervolle Mitsuko Ushida zusammen mit dem Mahler Chamber Orchestra und Daniel Barenboim, sowohl mit den Wiener Philharmonikern als auch vierhändig mit Martha Argerich am Klavier. Oder L’Arpeggiata mit Christina Pluhar huldigen dem „Musico drammatico“ mit dem Requiem und der Missa brevis d-Moll KV 65, die Mozart mit 12 Jahren komponierte. Und dann ist natürlich noch Sir András Schiff mit seiner Cappella Andrea Barca, die sind seit vielen Jahren enge Freunde der Mozartwoche, die werden auch Mozarts Klavierkonzert KV 595 spielen, die Uraufführung im Jahr 1791 war der letzte öffentlichen Auftritt Mozarts. Auch ein Highlight: Die „Mozartiade“! Sir András Schiff wird uns mit Luca Pisaroni, Mauro Peter, Sylvia Schwartz und Ema Nikolovska Mozarts sämtliche Lieder nahebringen. Das werden ganz besondere Momente. Ich liebe und ich lebe die Mozartwoche!

Quelle: Stiftung Mozarteum, Fotos: Andreas Hechenberger

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