200 Jahre Clara Schumann

„Musik ist die Luft, in der ich atme.“ – Clara Schumann

Die Pianistin, Komponistin, Klavierprofessorin und Editorin Clara Wieck wurde heute vor 200 Jahren in Leipzig geboren. Die sogenannte  “Hohepriesterin Robert Schumanns“ war eine komplexe Persönlichkeit, die man unmöglich in einem kurzen Blog-Post beschreiben kann. Trotzdem haben wir ihren Geburtstag zum Anlass genommen ein wenig über sie zu recherchieren.

Harte Kindheit

Ihren Vater kann man als strengen Tyrann bezeichnen. Überzeugt von ihrem Talent, war er regelrecht besessen davon, sie groß herauszubringen. Er nahm sie aus der Schule und erteilte ihr privat Klavierunterricht, der den Hauptteil ihrer Bildung ausmachte und lernte ihr außerdem Fremdsprachen. Er zwang sie zum stundenlangen Üben, das nur durch lange Spaziergänge „zur körperlichen Züchtigung“ unterbrochen wurde. Als sie 8 Jahre alt war begann der Vater ein Tagebuch in Ich-Form für seine Tochter zu schreiben. Ein von Friedrich Wieck am 29. Oktober 1828 verfasster Tagebucheintrag im Namen Claras lautet:

„Mein Vater, der längst schon vergebens auf eine Sinnesänderung von meiner Seite gehofft hatte, bemerkte heute nochmals, daß ich immer noch so faul, nachlässig, unordentlich, eigensinnig, unfolgsam etc. sei, daß ich dies namentlich auch im Klavierspiel sei, und weil ich Hüntens neue Variationen op. 26 in seiner Gegenwart so schlecht spielte und nicht einmal den ersten Teil der 1. Variation spielte, so zerriß er das Exemplar vor meinen Augen, und von heute an will er mir keine Stunde mehr geben, und ich darf nichts weiter spielen als die Tonleitern, Cramers Etüden und Cerny-Trillerübungen.“

Die harte Arbeit der beiden trug Früchte und sie wurde als Wunderkind berühmt. Clara Wieck trat vor Berühmtheiten wie Goethe, diversen Kaisern und Königen Europas und Niccolò Paganini auf. Außerdem durfte sie mit Franz Liszt, Frédéric Chopin und Felix Mendelssohn Bartholdy musizieren. In Wien wurde sie sogar als k. u.k. Kammer-Virtuoisin ernannt.

Clara Wieck beim Üben
Clara Wieck beim Üben

Begegnung und Ehe mit Robert Schumann

Clara und Robert begegneten sich zum ersten Mal in ihrem Elternhaus im Jahr 1828. Clara war zu diesem Zeitpunkt 8 Jahre alt und Schumann war 18. Mit 20 nahm Schumann Klavierunterricht bei Friedrich Wieck und wohnte sogar im Familienhaus. Schumann erzählte Clara und ihren beiden Brüdern oft erfundene Märchen. Als Clara 16 Jahre alt war begannen sie eine Liebesbeziehung, die der Vater jedoch streng untersagte. Gründe dafür waren Schumanns angebliches Alkoholproblem und sein Status als „armer Musiker“. Im August 1837 kam es zu einer heimlichen Verlobung. Erst 2 Jahre später schaffte es das Paar, endlich zu heiraten. Gerne luden sie andere Musiker wie Felix Mendelssohn Bartholdy, William Sterndale Bennett, Hector Berlioz, Ole Bull, Ferdinand David, Adolph Henselt, Franz Liszt, und Richard Wagner zu sich nach Hause ein.

Robert und Clara Schumann im Jahr 1847
Robert und Clara Schumann im Jahr 1847

Mutterpflichten

Clara und Robert Schumann hatten 8 Kinder. Da Robert Tag und Nacht nur komponierte, hatte Clara kaum Zeit dafür ihrer Musikliebe nachzugehen. Am 17. Februar 1843 hielt Robert Schumann im Ehetagebuch sein Bedauern darüber fest:

„Klara hat eine Reihe von kleineren Stücken geschrieben, in der Erfindung so zart und musikreich, wie’s ihr früher noch nicht gelungen. Aber Kinder haben und einen imer phantasierenden Mann, und componiren geht nicht zusamen. Es fehlt ihr die anhaltende Uebung, und dies rührt mich oft, da so mancher innige Gedanke verloren geht, den sie nicht auszuführen vermag.“

Auch Clara schrieb:

 „Es ist schlimm, daß mich Robert in seinem Zimmer hört wenn ich spiele, daher ich auch die Morgenstunden, die schönsten zu einem ernsten Studium, nicht benutzen kann. […] Zum Spielen komme ich jetzt gar nicht; theils hält mich mein Unwohlsein, teils Robert’s Componieren ab. Wäre es doch nur möglich dem Übel mit den leichten Wänden abzuhelfen, ich verlerne Alles, und werde noch ganz melancholisch darüber.“

Trotzdem schafften es die beiden gemeinsam auf Tourneen  in Deutschland und Russland zu gehen. Angeblich war Robert Schumann oft eifersüchtig auf den Erfolg und Charme seiner Frau und wurde vom Publikum weniger beachtet und geschätzt.

Nervenleiden und Selbstmord Robert Schumanns

Robert Schumann litt an Psychosen, Schlaflosigkeit und Todesfurcht. Außerdem klagte er über Gehöraffektionen, wo ihn vermeintlich laute Musik nicht schlafen ließ. Er hörte ununterbrochen den Ton A, was ihm die Leitung eines Orchesters unmöglich machte. Mehr und mehr verfiel er dem Wahn und stürzte sich am 27. Februar in den Rhein um Selbstmord zu begehen. Er wurde allerdings gerettet und kam in eine Heil- und Pflegeanstalt. Für Clara waren die Besuche in der Nervenklinik sehr schwer und sie wurde oft von ihren Kindern und dem Familienfreund Johannes Brahms begleitet.

Beziehung zu Johannes Brahms

Der blutjunge Johannes Brahms wurde mit 20 ein Protegé von Robert und häufiger Gast im Hause Schumann. Clara und Robert waren vom Talent des jungen Komponisten begeistert und unterstützten ihn so gut sie konnten. Zur gleichen Zeit verschlimmerte sich Roberts Krankheit und Brahms stand Clara stets zur Seite. In zahlreichen Briefen kann man eine starke Zuneigung der beiden und eventuell sogar eine Liebesbeziehung herauslesen. Nach Robert Schumanns Tod stellen sie den Kontakt ein.

Johannes Brahms in Jahr 1853
Johannes Brahms in Jahr 1853

Nach Roberts Tod

Clara überlebte ihren Mann um 40 Jahre. Ihre Kinder gab sie nach dem Tod ihres Mannes zur Großmutter oder in Internate. Nur ihre 2 Jüngsten durften bei ihr bleiben, wurden jedoch von einer Haushälterin betreut. Ihr ältester Sohn Ludwig wurde in eine Irrenanstalt eingewiesen. Clara Schumann begab sich auf zahlreiche Konzertreisen in ganz Europa und wurde nach wie vor als erfolgreiche Pianistin gefeiert.

Wollen sie mehr über weibliche Musikschaffende erfahren, so werfen Sie doch einen Blick in unseren Blog-Post zur Ausstellung „Musica Femina“.

 

Ihre Leonore

Quellen:

https://www.welt.de/kultur/history/article109187646/Clara-Schumann-wollte-nie-eine-Hausfrau-sein.htmlSchmitz, Rainer und Ure, Benno (2018): Wie Mozart in die Kugel kam. Kurioses und Überraschendes aus der Welt der klassischen Musik.

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