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100 Jahre Feuervogel

Die mitreißende Ballettmusik „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky wurde eigentlich im Jahr 1910 geschrieben, doch eine der daraus entstandenen Suiten wurde zum ersten Mal 1919 uraufgeführt. Speziell die Suiten sind fest verankert im westlichen Konzertkanon und gelten als eine der beliebtesten Konzertwerke. Da macht es doch Sinn einmal den Blick näher auf dieses geheimnisvolle Werk zu setzen…

Aus der slawischen Mythologie

Im deutschsprachigen Raum weniger bekannt kommt die Figur des Feuervogels ursprünglich aus der slawischen Mythologie. Der Legende nach muss (meistens) ein Prinz auf Wunsch des Königs eine Feder des geheimen Tiers ergattern. Natürlich gestaltet sich dies als äußerst schwierig, dazu widerfahren dem Prinzen zahlreiche Hürden und Schwierigkeiten am Weg zum Ruhm. Das Fiederkleid des Vogels strahlt dabei in hellen Feuerfarben und einige dieser Federn glühen sogar. Die Feder symbolisiert einerseits Heilbringung, aber auch große Gefahr. Am bekanntesten ist das Märchen „Iwan Zarewitsch, der Feuervogel und der graue Wolf“.

“Now, why birds?  Well, I guess birds are a natural symbol in ballet, because they fly, and flying is the age-old dream of man, and ballet is the perfect place for man to dream of flying, man being an earthbound creature in whom there has always been a deep desire for the freedom of flight, the defiance of gravity.” – Leonard Bernstein

Die Handlung im Ballett

Bei Strawinsky verschmilzt die Sage des Feuervogels mit jener des Zauberers Koschtschei. Im Grunde geht es aber auch hier um die Jagd nach dem Feuervogel, jedoch gelangt Iwan dabei in der Zaubergarten Koschtscheis. Den Vogel endlich gefangen, bittet er um Freiheit. Iwan erhält als Dank für die Gnade eine Feder. In jenem Garten befindet sich aber auch ein Wunderbaum, um den die 13 Jungfrauen des Zauberers tanzen. Wie es das Schicksal so will, verliebt sich Iwan in eine von ihnen, die sogar eine Prinzessin ist. Daraufhin treten der Zauberer und seine Dämonen auf und bedrohen den Helden. Mithilfe der gewonnenen Feder ruft Iwan den Feuervogel zur Rettung. Mit magischem Gesang zwingt das Wesen die Dämonen zum Tanzen und so können Iwan und der Feuervogel fliehen. Zum Abschluss zeigt der Vogel ihm sogar das versteckte Ei, das die Seele des Zauberers enthält. Iwan zerstört es und bricht damit die Macht des Zauberers, befreit die Jungfrauen und kann so mit der Prinzessin vereint werden.

“The transition from this lullaby to the final scene is one of the most magical moments in all music.” – Leonard Bernstein

Strawinskys Durchbruch

Wiedermal stand ein großes Projekt des Ballettgurus Sergej Diaghilev in Paris an. Diesmal sollte es um den Feuervogel gehen. Nach zahlreichen Absagen wandte man sich schließlich an den jungen 27-jährigen Strawinsky. Der Russe war sich dieser einmaligen Chance bewusst und nutzte sie. Von der Inszenierung, zur Bühne, Choreographie bis zur Musik war der Abend eine bahnbrechender Erfolg, der neben anderen auch Strawinsky über Nacht zur Berühmtheit machte.

“You don’t even have to see the stage:  The music tells you everything.  This music does honor to the art of ballet, and to music, and to Stravinsky himself” – Leonard Bernstein

Bernstein und seine Ballettvögel

In einer spannenden Ausgabe der Young People’s Concerts spricht Bernstein über zwei große Ballettvögel. Er vergleicht das Hauptthema von Tschaikowskys „Schwanensee“ mit Strawinskys „Feuervogel“. Eine Aufführung des Pas de deux aus „Schwanensee“ veranschaulicht das Konzept des abstrakten Balletts, gefolgt von der „Feuervogel“-Suite und weiteren Auszügen aus dem Strawinsky-Ballett.

Boulez oder Jansons?

Auf fidelio können Sie zwei einmalige Interpretationen der Feuervogel-Suite genießen. Einmal aus dem Jahre 2008 beim Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele, wo Pierre Boulez gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern beweist, dass er der Spezialist für Musik des 20. Jahrhunderts war. Oder erleben Sie Mariss Jansons in einer neueren Produktion aus dem Jahr 2017. Hier im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins bringt auch er die Wiener Philharmoniker zu einer Höchstleistung.

Léon Baksts Entwurf von "Der Feuervogel"
Léon Bakst: Figurine für Der Feuervogel
Feuervogel (Kusber 1982)
Feuervogel (Kusber 1982)

 

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen mit dem Feuervogel!

Ihr Florestan

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